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aus: Der Spiegel #27, 1995.
Die Frage: Wenn Sie an die Zeit der DDR zurückdenken, was ist Ihre negativste Erinnerung? Und was ist Ihre positivste Erinnerung?
Frau aus einem ehemaligen Arbeiter-und-Bauern-Staat:
„ Das eingesperrt sein,
das war schon schlimm. Im Fernsehen sah man was los war in der Welt....Nichts
gab es richtig zu kaufen, aber man hatte keine Angst, daß der Mann arbeitslos
werden kann, daß man aus der Wohnung fliegt, daß die Kinder nicht in den
Kindergarten gehen können, und so war das schon alles geregelt, geordnet
und billig. Es gibt überall Licht und Schatten."
Eine Friseurin schrieb:
„ Ich wäre gern gereist,
hätte mich besser gekleidet und versucht, mich als Friseuse selbständig
zu machen. Das war alles nicht möglich. Die Versorgung im Modebereich,
mit Obst, technischen Geräten, und das Reiseangebot waren schlimm.
Wir hatten beide Arbeit, schönes Trinkgeld, und unser Sohn war gut
betreut im Kindergarten und Schule/Hort. Ausgehen war billig. Ich war zufrieden
und kannte keine Ängste. Die Arbeitslosigkeit meines Mannes (3x nach der
Wende) hätten wir in der DDR nicht erlebt."
Eine berufstätige Mutter:
„Wir bekamen für unser
Geld nicht viel, mußten hinter allem hinterherrennen. Schlimm war,
daß wir alles gesagt bekamen, brauchten uns keine Gedanken machen.
Wir konnten nicht reisen, obwohl ich das jetzt auch nit tue, weil mir das
Geld fehlt. Der Staat war sehr sozial, ich hatte Arbeit, konnte meine Kinder
einen schönen Beruf lernen lassen. Der Zusammenhalt unter den Bekannten,
Nachbarn, Arbeitskollegen war sehr gut."
Jemand anders:
„Es gab immer nichts. Aber:
Das leben war sicherer.
Die Bespitzelung.
Aber: Die Menschen waren netter zueinander.
Die Mauer. Aber: Alle
hatten Arbeit.
Stasi. Aber: Ferienlager.
Schlange stehen.
Aber: Es war alles einfacher.
Nicht reisen dürfen.
Aber: Die Jugend hatte mehr vom Leben.
Der Verfall der
Städte. Aber: Es gab keine Bettler.
Nicht sagen dürfen,
was man dachte. Aber: Soziale Sicherheit.
Freiheitsberaubung.
Aber: Wenig Kriminalität."