Historischer Hintergrund

junge Oppositionelle in den 70er Jahren
ein Überblick


 

Wichtig zu erkennen ist der Unterschied zwischen der Opposition der Jugend in den 70er Jahren und dem Widerstand der 50er Jahre. In den 50er Jahren - das heißt während der Zeit des Aufbaus in der DDR - bekämpfte die SED "von Anfang an jede Opposition Jugendlicher. Sowjetische Militärtribunale und DDR-Gerichte verhängten besonders in den 50er Jahren drakonische Strafen gegen junge Oppositionelle" (Bundesministerium der Justiz). Irgendeine Herausforderung der SED-Ideologie gegenüber wurde in den 50er Jahren als staatsbedrohlich aufgefasst. 1950 gab es beispielsweise einen Protest von 19 Schüler der Oberschule Werdau gegen die Volkskammer. Gegen Ähnlichkeiten zwischen dem NS-Regime und dem Stalinismus in der DDR protestierten die Schüler anhand Flugblätter, die denen der Weißen Rose ähnelten (ibid).

Gegen die Volkskammer-Wahlen 1950 protestierten sie mit Flugblättern, störten aber auch politische Veranstaltungen. Im Urteil hieß es, die Aktionen seien 'gegen den Aufbau der DDR' gerichtet gewesen. Die Strafen lagen zwischen 2 und 15 Jahren Zuchthaus. Fast alle Werdauer Oberschüler flohen nach ihrer Haftentlastung in den Westen (ibid).

Die 70er Jahre markierten eine Zeit der politischen Auflockerung in der DDR und auch eine Zeit des indirekten Widerstands gegen den Staat. Das ist in der DDR-Literatur dieser Zeit besonders bemerkbar. Es ist allerdings wichtig zu betonen, dass der Protest der Jugend in den 70er "nicht die getrennt marschierenden Abteilungen einer staatsfeindlichen Dissidentenarmee [war]" (Büscher und Wensierski 1984). Büscher und Wensierski erklären, dass der Protest der Jugend

sich wesentlich von den Oppositionswellen [unterscheidete], an denen Polizei- und Stasifunktionäre sich in den fünfziger Jahren ihre Sporen [verdienten]. Die meisten dieser Jugendlichen [sahen] sich selbst als DDR-Bürger, insofern [hatte] die SED ein Erziehungziel erreicht. [Doch] sie [fanden] gar nichts dabei, in diesem Staat zu leben (Büscher und Wensierski 1984).

Büscher und Wensierski erwähnen auch, dass

Der Erfahrungshunger der jungen Generation der siebziger Jahre an enge äußere Grenzen [stieß]: ein kleines Land, keine öffentliche Kommunikationen, ein äußerst beschränkter internationaler Ideenaustausch. So blieb meist nichts anderes übrig, als innerlich zu werden.

Die Grenzen unter denen die DDR-Jugend täglich lebten, werden später näher besprochen. Es ist jedoch hervorzuheben, dass der Widerstand in den 70er Jahren im Gegensatz zu der Opposition der Jugend in den 50er Jahren meist eine indireke Form war. Die Jugend war zusätzlich nicht unbedingt "anti-DDR" sondern bildete eine Art "Subkultur."

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