| Kurz nach seinem Erscheinen in Nürnberg kommt Kaspar auf ein Spielplatz mit vielen laut herumlaufenden Kindern. Sie laden ihn ein, mitzuspielen, aber Kaspar versteht den Sinn des Spieles "X" nicht. Er denkt, die Kinder wollen einem von ihnen wehtun. Kaspars hörbare Gedanken erlauben dem Zuschauer, die Unterschiede zwischen Kaspars Vorstellung von der Umgebung und derjenigen der anderen Menschen zu verstehen. Die Kinder ihrerseits verstehen Kaspars merkwürdiges Benehmen auch nicht, da sie einen Erwachsenen vor sich sehen, der doch mehr als sie wissen sollte. Sie nehmen an, er kennt die Regeln, und halten es für unnötig, ihm etwas zu erklären, was für Kaspar gleich eine Einweihung wäre. Eine effektive |
|
| Während der ersten Zeit nach seiner Erscheinung lebt Kaspar bei einem Professor, der an ihm als Forschungsobjekt interessiert ist. In der ausgewählten Szene stellt der Professor Kaspar zwei Gelehrten vor und erklärt ihnen die besonderen physischen Charakteristika seines Anvertrauten. Die Szene erinnert an eine Demonstration, an ein "live" Experiment, das vom Professor durchgeführt wird. Seine Aussagen gleichen einem Minivortrag zum Thema "Kaspar und seine für die Wissenschaft höchst interessante Entwicklung", den er mit einer Stimme vorträgt, die große Geheimnisse zu verraten verspricht. Zuerst führt er die beiden Männer in den Kontext der Geschichte von Kaspars Leben im Gefängnis ein, durch den des Findlings merkwürdige Charakteristika leichter zu verstehen sind. Dabei |
|
| An einer anderen Art von Spiel nimmt Kaspar in seiner Beziehung zu Frauen teil. Die junge Tochter des Stadtrates versucht, ihn durch ihre Schönheit in einen Flirt einzubeziehen. Obwohl sie sich der Frauenrolle in so einer Beziehung nicht ganz bewußt ist, hat sie sich doch wahrscheinlich aus den Gesprächen der älteren Frauen wie z.B. der Geheimrätin (s. Geheimrätin) in verschiedenen Gesellschaften ein Bild von einer Mann-Frau Beziehung machen können, was ihr mehr Wissen darüber gibt als Kaspar. In dieser Szene ist sie die Initiatorin eines intimeren Gesprächs mit Kaspar, indem sie nach seiner Meinung bezüglich ihres Aussehens fragt und danach auf seine Meinung von ihrer Schönheit eingeht. Natürlich kann Kaspar hier nicht aktiv mitspielen, da er keine Ahnung von der |
|
|
|
In allen Spielen im ganzen Film ist Kaspar der Unwissende, der passive Mitspieler. Vielmehr ist er aber auch ein unschuldiges Opfer aller seiner Gegner, die ihn in ein Spiel hineinziehen, das deswegen unfair ist, weil die Wissenden dem Unwissenden die Regeln nicht erklären. Kaspars Unschuld beruht auf dem Mangel seinerseits an jeglicher Intention und Fähigkeit, die anderen auf die eine oder andere Weise zu benachteiligen.
|
|
|
|
Das Thema der Unschuld wird im Film sehr oft angesprochen. In bezug auf Kaspar wird das Wort im Sinne von "Unwissenheit", "moralischer Reinlichkeit" und Schuld wie in "jemandem etwas schulden" benutzt. Für den ersten Fall könnte man die Aussage der Stadträtin als Beispiel sehen, die von den "unschuldigen" Kindern spricht, die "so ahnungslos" sind (s. Sequenz). Als Beispiel der zweiten Bedeutung könnte die Aussage der Mutter des Justizrats dienen, in dessen Haus Kaspar nach seinem Aufenthalt bei dem Professor wohnt (s. Hauptdarsteller). Die Mutter ist aufgeregt, weil sie den merkwürdigen, außergewöhnlichen Kaspar nicht unter ihrem Dach haben will, da er schon viel Getummel in der Stadt verursacht hat. Dabei erwähnt sie die Geschichte mit der Tochter des Stadtrates (s. Sequenz). Der Justizrat ist der Meinung, Kaspar sei an der Geschichte unschuldig |
|