
Beziehungen - Die Menschen sind heute von ihnen besessen.
In diesem Gedicht hat der Dichter David Constantine sich offensichtlich
als verschiedene Charaktere vorgestellt. SeinePerspektive verändert
sich mit jedem Teil des Gedichts. Aber er ist nicht objektiv;
die ganze Geschichte wurde mit Gefühlengeschrieben und nicht
einfach als Bericht. Ich finde es sehr interessant und auch wichtig,
dass Constantine sich 150 Jahre später als diese Menschen
vorgestellt hat, weil es dadurch klar wird, dass die persönlichen
Erfahrungen für ihn wichtig sind und nicht nur die politischen
und historischen Fragen. Wir haben Mitleid nicht nur für
Kaspar, sondern auch für die anderen Menschen.
Das Gedicht hat neun Teile: drei sind aus der Perspektive Kaspars
erzählt; drei aus der Perspektive Daumers; zwei aus der Perspektive
Stanhopes; und eines aus der Perspektive Clara Biberbachs.
Der erste Teil des Gedichts erzählt die Geschichte Kaspar
Hausers, wie der Dichter sie sich vorstellt. Constantine stellt
sich vor, wie es wäre, Kaspar Hauser zu sein. Die Perspektive
ist Kaspars Perspektive. Auf Seite 12 zum Beispiel schreibt er:
In the town's arena, [he] wept and wetted himself
And felt the blood in his boots, until the windows
Folded their wooden lids back and in rows
Diminishing to points under the eaves
From all the openings of their ordinary lives
The people stared at their accustomed space
Der Leser hat von diesen sechs Zeilen den Eindruck, daß
Kaspar gedemütigt wurde. Der Dichter erzählt auch, was
Kaspars Erfahrung im Gefängnis war (oder hätte sein
könnte).
Constantine stellt auch die gleichen Fragen, die Historiker öfter
gestellt haben. Auf Seite 15 fragt er:
Why then?
why, why start him ever,
Ever shunt him out of his silent shed
Into traffic, who decided?
Obwohl er diese Fragen stellt, bleibt die Erfahrung Kaspars
in diesem Teil am wichtigsten. Er benutzt Bilder, um zu zeigen,
wie die Reise nach Nürnberg war:
He flopped like a mongol being dressed,
He was as slack as a collapsed marionette,
A giant one that has lain in its box and grown,
And against his delivery into the lives we lead
He offered the passive resistance of a corpse
Dragged out by a muffled man towards a cartload,
Or of a protester at a sit-in against the War
Gone heavy in the arms of the Law,
The hands making a buckle around his chest. (S. 16)
Die Wörter, die Constantine benutzt zeigen, daß er Kaspar als eine passive Figur sieht. Er vergleicht Kaspar mit einer Puppe und mit einer Leiche. Aus diesem ersten Teil erfahren wir, daß der Autor es wichtig findet, sowohl die frühen Erfahrungen also auch die Gefühle, die er möglicherweise hatte, zu verstehen.
Im zweiten Teil des Gedichts lernen wir, was Kaspars Erfahrungen
gleich nach seiner Befreiung waren, während der Dichter versucht,
Daumers eigene Gefühle vorzustellen und zu erklären.
Laut Constantine war Kaspar sehr wichtig in Daumers Leben; er
denkt viel an Kaspar in den letzten Tagen seines Lebens.
He ponders for the last time over Caspar
Over his being, his origins, his innocence,
That above all - his innocence - but the truth
Seems to have lain a million years beneath
(S. 22)
Kaspars Unschuld war, nach Constantine, ein sehr wichtiges
charakteristisches Merkmal Kaspars. In diesem Gedicht repräsentiert
Kaspar die Unschuld, etwas was wenige Menschen nach der Kindheit
behalten können. Kaspar war, laut Constantine, für viele
Menschen ein Symbol für das, was sie sonst niemals sahen.
Der Dichter (als Daumer) schreibt darüber, wie Kaspar alles sehr tief gefühlt hat: Kaspar weint über das Leiden der Welt (S. 23) und das Leiden Christi. Constantine sieht Kaspar als ein naives, sensibles Opfer, das nichts verstanden hat.
Die Perspektive Daumers wird auch im fünften Teil beschrieben.
Laut Constantine dachte Daumer (wie viele Menschen), daß
Stanhope kein guter Vater für Kaspar sei. Im Gedicht bietet
er Kaspar an, eine Reise mit ihm zu machen, um neu anzufangen,
statt dass Kaspar mit Stanhope umzieht.
But leave with me, leave house and home and town
And petty fatherland and walk
South, under other names, as teacher and pupil
(S. 67)
Aus diesen Gedanken ist es klar, daß Kaspar für
Daumer alles sein könnte. Er braucht nur Kaspar, um erfüllt
zu sein.
In dem siebten Teil, der auch aus der Perspektive Daumers erzählt
wird, fühlt der Leser die Trauer Daumers. Auf Seite 76 schreibt
Constantine:
I was borne
Rolled like a grub into my sanctuary
That stank of blood and howled
From cellar to attic for the absent child.
Der Autor, und deshalb auch der Leser, hat Mitleid für
Daumer.
Clara Biberbach, die oft als gemein gesehen wurde, ist in dem
Gedicht auch ein Opfer, wie Kaspar. Im dritten Teil des Gedichts
erzählt Constantine ihre Perspektive, wie er sie sich vorstellt.
In diesem Teil sehen wir sie als eine traurige Frau, die einfach
Liebe wollte. Ihr Mann hat sie fast ignoriert, und sie brauchte
jemanden, der sie beachten würde. Als sie Kaspar sah, wollte
sie ihn als Liebhaber. In dem Gedicht scheint sie nicht böse,
sondern einfach erbärmlich. Sie liebte ihn, laut Constantine,
als Sohn und als Mann; doch er verstand nicht, dass sie eine sexuelle
Beziehung mit ihm wollte.
Truth is
He liked me better dressed and when everything was on
He was as pestering as a puppy dog
And I sobbed inside, in there, in my womb
For him to be like other men and want the same. (S. 46)
Daß Kaspar sie abgelehnt hat, war eine Beleidigung für
sie nicht nur als Mensch, sondern als Frau - deswegen sagt sie,
daß sie den Weh in ihrer Gebärmutter gefühlt hat.
Sogar Lord Stanhope ist in diesem Gedicht irgendwie ein Opfer
der Zustände. Nach Constantine hat Stanhope Kaspar geliebt.
Auf Seite 70 schreibt er im sechsten Teil aus der Perspektive
Stanhopes:
I read their books and grasped this:
That he was fading, the light
Off him, the magic in him was less and less
And I must rub him like a used charm
Massage the heart and suck
Hard for the virtue sunk back
Towards his centre. I blamed God
To His face for not crossing
My line of life and the boy's at the beginning
Stanhope wollte mehr Zeit mit Kaspar und mit Kaspars Zauber
zu haben. Er gab, nach Constantine, den anderen, die Zeit mit
Kaspar verbracht hatten, die Schuld dafür, dass Kaspar sich
verändert hatte. Die sexuelle Bedeutung einiger Wörter
sind sehr stark: "massage," "rub," und "suck"
sind kaum die Wörter einer Vater-Figur. Doch die Gefühle,
die Stanhope am meisten beschreibt, sind Wörter der vaterlichen
Liebe.
In seinem Gedicht hat Constantine ein Bild der Trauer gezeichnet. Drei Menschen, die Kaspar kannten, erinnern sich an ihre Zeit mit Kaspar. Kaspar war für die drei ein Retter. Alle drei wollte ihn als Retter und als ein Erlöser für etwas was sie nicht beherrschen konnten. Daumer wollte von ihm lernen; Biberbach wollte seine Liebe; Stanhope wollte einen Sohn, der ihn bewundern würde. Sie brauchten Kaspar für etwas, was er ihnen nicht geben konnte, denn er war nur ein Mensch.