Die
Französische Revolution ist für das Verständnis
von Kaspar Hauser auf zweierlei Weise wichtig. Weil die Revolution
die Ideen der Aufklärung, "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit!"
äußerte, zeigt sie erstens die Idee, dass die Bevölkerung
selbst verantwortlich sein könnte (Günther-Arndt 23).
Diese Idee werden später die Bewegungen um konstitutionelle
Monarchien in Baden, Bayern, Preußen und Österreich
beeinflussen. Da die Revolution Napoleon das Mittel gab, mächtig
zu werden, wurden zweitens diese Ideen und der Begriff der Revolution
selbst von vielen Herrschern als gefährlich angesehen.Obwohl
die Revolution als eine "Bewegung des Volkes" anfing,
verwandelte sie sich schnell in eine neue Herrschaft des Schreckens.
Wegen Robespierre und seines Wohlfahrtsausschusses sehnten sich
die Franzosen nach jemandem, der die Gesellschaft wieder unter
Kontrolle bringen könnte. Napoleon und die Armee boten dem
Volke Ordnung und das Ende der Revolution (Günther-Arndt
19-23). Bald nach seinem Aufstieg fing Napoleon an, Kriege zu
führen. Bis zum Ende des Jahres 1812 beherrschte er fast
ganz Europa von Frankreich und Spanien bis Österreich (Günther-Arndt
25).
Was hier wichtig zu erkennen ist, ist, wie sehr Napoleon die Souveränität dieser Länder verriet. Das Heilige Römische Reich wurde durch Kriege mit ihm zerstört wie der Rheinbund und andere Nationen. Napoleon gab verschiedene Teile der Länder an seine Verbündeten. Zum Beispiel, wurde durch den Frieden von Preßberg Tirol von Österreich abgetrennt. Im Norden eroberte Napoleon 1796 den linksrheinischen Teil der Pfalz, die vorher eine Region Bayerns war. 1805 gab er die rechtsrheinische Pfalz an Baden (Mayer 255).
Dieses Beispiel ist aber nicht nur wichtig, weil es das Chaos immer wechselnder Grenzen zeigt, sondern es ist ein anderer möglicher Grund, weshalb Kaspar, wenn er der Prinz von Baden gewesen wäre, entführt worden wäre. Da der König von Bayern, König Ludwig I., dort einen Teil seiner Jugend verbrachte, war er sehr enttäuscht und zornig, diesen Teil seines Landes zu verlieren. Aus diesem Grund vermuten viele Historiker, dass Bayern ein Teil der Verschwörung gegen den jungen Prinzen von Baden war (Mayer 256).
Ein anderer Grund, weshalb beide, die Politiker und das Volk, Napoleon so sehr haßten, war, dass er so viele Menschen als Soldaten benutzte und mit in die "Große Armee" nach Rußland brachte, um Rußland auch zu erobern. Sie kamen aber nicht zurück. Aus Baden selbst hat er 6000 Soldaten kommandiert; nur vierhundert überlebten (Haebler 104).