Bis jetzt haben wir die Zeit aber nur durch die Augen der Leute, die Macht hatten, betrachtet. Die Französische Revolution und alles, was ihr folgte, war auch für das Volk wichtig. Und wenn man über eine Zeit sprechen möchte, muss man die Meinungen des Volkes ernst nehmen, um ein komplettes Bild zu kreieren. Besonders wenn man die Gründe, weshalb die Kaspar-Geschichte ernst genommen werden konnte, studieren möchte, sind die Meinungen des Volkes fast wichtiger als das, was die Mächtigen dachten. Deswegen müssen wir erkennen, dass die Ideen von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, die die Französische Revolution äußerte, nicht nur den Mächtigen Angst einjagten, sondern auch einen neuen Liberalismus erweckten, der schnell von den Intellektuellen übernommen wurde (Brose 23). Sogar als Robespierre und dann später Napoleon diese Ideen verrieten, waren diese Ideale schon nach ganz Europa exportiert worden. Die Auswirkung dieser Ausfuhr war ein erneuertes Interesse an der Freiheit, was sich zu einer Bewegung um konstutionelle Monarchien entwickelte.
Diese Bewegungen, die schon während der Herrrschaft Napoleons anfingen, wurden prinzipiell von den Intellektuellen (Studenten und Professoren) konzeptualisiert und organisiert. Zuerst fungierten sie als Widerstandsgruppen, die gegen Napoleon standen, aber später, nachdem Napoleon endlich besiegt worden war, fingen die Bewegungen an, sich zum Sprecher der Ideen der Aufklärung und des neu entstandenen Liberalismus zu entwickeln (Günther-Arndt 31). Das wichtigste Element dieses Liberalismus war die Erkenntnis, dass das Volk eine Stimme in der Regierung haben sollte. Die Zeit, in der das Volk der Monarchie bedingungslos vertraute, war vorbei; die Monarchie hatte schon während des Krieges mit Napoleon ihr Unvermögen, das Land zu schützen, gezeigt. Jetzt suchten die Intellektuellen eine Verfassung, die die Rechte des Volkes sichern konnte (Günther-Arndt 30).
Diese Bewegungen strebten nach einer Gesellschaft, in der die Macht der Regierung durch Wahlen unter die Kontrolle des Volkes kommen würde. Was aber hier wichtig zu erkennen ist, ist, dass wegen der Bundesstruktur des deutschsprachigen Raums jedes Land (oder Herrschen) selbst eine Entscheidung treffen musste, damit eine Verfassung in Kraft treten konnte. Deswegen waren die politischen Zustände in jedem Land sehr unterschiedlich. Meistens versuchten die Leute konstitutionelle Monarchien nach dem Beispiel Englands zu bilden. Das heißt, dass sie eine Verfassung unterstützten, die zwei Kammern hatte: eine, die nur für den Adel offen war und eine andere, in der alle, die wählen konnten (normalerweise eine beschränkte Anzahl von Leuten, die Land besaßen ), sitzen konnten (Hertz 126).
In Bayern und Baden wurden diese Bewegungen schneller entwickelt und hatten schneller Erfolg als in den anderen Ländern. Vor allem war Österreich (ihr Kaiser Franz und ihr Kanzler Metternich) gegen diese Bewegungen, weil sie einen weiteren Verlust der bedingungslosen Macht der Habsburger Monarchie bedeuteten. Franz und Metternich glaubten, dass sie schon genug Macht verloren hätten, als das Heilige Römische Reich (und die Herrschaft Österreichs) von Napoleon zerstört worden war (Rickett 102). Was hier für die Kaspar-Geschichte aber wichtig ist, ist, dass Metternich und Franz (niemand ist sicher, wer wen kontrollierte) nicht nur keine konstitutionelle Monarchie in Österreich wollten, sondern sie wollten, dass nirgendwo eine Verfassung, die nach Liberalismus schmeckte, in Kraft träte, weil sie ein schlechtes Beispiel für das österreichische Volk sein könnte. Deswegen wurde alles gemacht, was die Zeichen des Liberalismus unterdrücken konnte.