II. Die Kommunikation

Die Kommunikation ist die Fähigkeit der Menschen, Beziehungen zu anderen aufzubauen, und sie gehört zum Menschen und zu den Tieren. Die Kommunikation in der Gesellschaft wird durch die Sprache geschaffen. Die Sprache ist das Instrument der menschlichen Kommunikation. Descartes meint, die Sprache sei der Unterschied zwischen dem Menschen und dem Tier, weil die Sprache das Denken und die Kommunikation verbindet. Er schreibt: "Of all the arguments that persuade us that animals are without thought, the key one is that, although animals have the ability to express their affections, never to this moment have we seen any animal arrive at the point of perfection of using a true language, that is to say, of expressing, either by voice or gesture, something which can be related to thought only and not to natural impulse. Language is in effect the sole sure sign of latent thought in the body; all men use it, even those who are dull or deranged, who are missing a tongue, or who lack the voice organs, but no animal can use it, and this is why it is permissible to take language as the true difference between man and beast." (Nature and Culture in Western Discourse, S.75) Der Mensch muß deswegen mit anderen Menschen sprechen, um die mitmenschlichen Beziehungen aufzubauen, weil das Sprechen wie die Musik zum Menschen gehört.

Es gibt auch eine besondere Sprachlernzeit, wobei das Kind ein Verhältnis zu der Sprache haben muß, um sie richtig zu lernen. Stephen Horigan bemerkt in seinem Buch: "Eric Lenneberg's work suggests that a critical period exists for the normal development of language, after which its acquistion becomes increasingly difficult." (Nature and Culture in Western Discourse, S.104)

 


Kaspar und die Kommunikation


Mit den Wortern "Ich möchte ein solcher Reiter werden, wie mein Vater gewähn ist" begann Kaspar die Sprache als Kommunikationsmittel zu benutzen. Obwohl die Wörter für ihn noch keine Bedeutung hatten, begann er, durch die Sprache Kontakt mit anderen Menschen zu haben.
Daumer schreibt in seinem Bericht über Kaspar: "Als ich ihn kennen lernte, und noch lange nachher, erschien nicht nur sein Deutsch, sondern überhaupt sein Vermögen zu sprechen höchst mangelhaft, und seine Wortfügung fremdartig.....von sich selbst sprach er in der dritten Person, als vom >>Kaspar<<." (Hörisch, S.243) Anselm von Feuerbach fügt hinzu: "In allem, was er sprach, fehlten noch meistens die Bindewörter, Partikeln und Hilfszeitwörter; seine Konjugation umfasste wenig mehr als den Infinitiv; und am schlimmsten stand es mit der Syntax, deren Teile gar erbärmilich zerzaust und durcheinander geworfen wurden." (Hörisch, S.153)
Man sieht seine Schreibentwicklung, wenn man die verschiedenen Versionen seiner Autobiographie liest. Die erste Fassung seiner Autobiographie war einfach eine Beschreibung der Handlung seines Lebens. Später wurde die Autobiographie eine Geschichte mit Qualitäten.

   Am Anfang seiner Erfahrung lernt Kaspar die Sprache von dem Sohn Hiltels, Julius. Hier wiederholt Kaspar die Sprache von Julius. Da Kaspar die Sprache wiederholen kann, zeigt das, daß Kaspar schon als Kleinkind die Sprache gehört hat. Hätte er die Sprache nie gehört, hätte er nicht die Fähigkeit gehanbt, die Sprache zu lernen. Kaspar hat die Sprache auch bei dem Bauern im Kerker nachgeholt.

 Kaspar und Julius, der Sohn Hiltels
 

 Das Vater-Sohn Verhältnis ist für Herzog wichtig, um Kaspar zu sozialisieren. Herzog zeigt Daumer und Kaspar oft zusammen. Daumer selbst erinnert einen an einen Opa oder einen Vater. Das dient als ein Zeichen, daß man gute, liebevolle Verhältnisse braucht, um das soziale Leben kennen zu lernen. Insofern bentont Herzog das Verhältnis zwischen Kaspars Lehrer Georg Friedrich Daumer und Kaspar. Er dient als Vorbild für Kaspar. Alexander Mitscherlich meint auch in seiner psychoanalystischen Arbeit, daß das Kind ein Vorbild, nämlich den Vater, haben muß.  
 

Daumer als Vaterfigur

 Herzog bringt in den Film zwei Mutterfiguren hinein. Hier versteht Kaspar das Verhältnis zwischen der Mutter und dem Kind. Wie die Vater-Beziehung ist auch die Mutter-Beziehung für die soziale Entwicklung des Kindes sehr wichtig. Die Mutter ist die Liebe. Kaspar weiß in dieser Szene, was eine Mutter sei.

 Kaspar sagt "Mutter"
 

 
 Die Haushälterin Daumers sorgt im Film nach der emotionellen Entwicklung Kaspars. Sie gibt im die Unterstützung, die er braucht. Im Film sitzt sie oft neben Kaspar, und sie antwortet für ihn Lebensfragen, die er hat. Die emotionelle Entwicklung ist auch notwendig für den Sozialisierungsprozeß. Kaspar versteht von dem Verhältnis, wie es ist, eine Mutter zu haben.

 Kaspar und die Haushaelterin Daumers
 

Das Schreiben

Außer der Sprache ist das Schreiben das andere Kommunikationsmittel der Menschen. Das Schreiben ist die Manifestation der Sprache. Kaspar schreibt hier seine Autobiographie, um seine Geschichte zu erzählen. Damit macht er seine Geschichte konkret, und sie wird ein Teil der Geschichte.

 
   

 

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