Die Sinne gehören zum Menschen wie zu den Tieren. Tiere entwickeln die Sinne, weil sie sie in der Natur brauchen, um zu überleben. Die Sinne sind von der Umwelt des Menschens bestimmt; sie sind eine physische Reaktion auf die Umwelt. Im Vergleich sind die menschlichen Gefühle von der Gesellschaft bestimmt. Man lernt von der Gesellschaft, was zum Beispiel die Trauer, die Liebe, die Hoffnung und die Angst bedeuten, weil sie Teile der menschlichen Existenz und nicht der tierischen Existenz sind. Die Gefühle sind angelernt.
Kaspar und die Sinne
Als Kaspar die Zeit im Kerker verbrachte, wurden seine Sinne von
der "Kerker-Umwelt" beeinflußt. Er wurde empfindlich
gegen das Licht, weil es fast kein Licht im Kerker gab. Er entwickelte
deswegen die Fähigkeit in der Dunkelheit zu lesen. Er konnte
auch sehr gut riechen. Er kannte Fleisch nicht. Die Sinne bei
Kaspar waren schärfer als die von anderen Menschen, und insofern
war er ähnlich wie ein Tier.
|
|
Kaspar sieht die Flamme der Kerze. Die Flamme ist das Licht, das Kaspar im Kerker nicht sah, und deswegen ist er von der Flamme fasziniert. Er versteht aber nicht, weil er es noch nicht gelernt hat, dass das Feuer ihm weh tun kann. |
|
|
|
|
|
Herzog zeigt das Weinen zum ersten Mal im Zusammenhang mit den Sinnen. Als Kaspar sich hier die Hand an einer Kerze verbrennt, fängt er mit dem Weinen an. Damit macht Kaspar eine Verbindung zwischen dem Feuer und dem Schmerz, so daß er lernt, daß das Feuer ihm weh tun kann. Als Kaspar im Kerker war, kannte er das Feuer nicht, d.h. er hatte keine Angst vor der Flamme, weil er keine Verbindung zwischen dem Feuer und dem Schmerz machte. Das Weinen ist hier nicht ein Zeichen der Gefühle, sondern der Entwicklung der Sinne. |
|
|
| Kaspar wird hier wie ein Kind behandelt. Er lernt, wie man in der Gesellschaft ißt. Das Essen gefällt ihm nicht. Er ißt kein Fleisch, da es ihm nicht schmeckt und da Fleisch von einem Tier kommt. Sein Körper reagiert noch zu empfindlich auf Fleisch. |
|
| Kaspar beim Abendessen mit der Familie Hiltel |
|
|
Man lernt die Angst von der Gesellschaft. Der Offizier versucht Kaspar ängstlich zu machen, aber Kaspar merkt es nicht. Wie beim Feuer hat Kaspar noch keine Verbindung zwischen dem Schmerz und dem Schwert gezogen. |
| Der Offizier versucht Kaspar zu erschrecken | |
|
|
Die Scham wird auch von der Gesellschaft gelernt. Kaspar schämte sich nicht , wenn er nackt war. Normalerweise ist es den Menschen in der Gesellschaft peinlich, wenn sie einander nackt sehen. Kaspar schämte sich aber nicht, weil er es nicht gelernt hatte. Es gibt hier auch eine Parallele zu der Adam- und Eva -Geschichte in der Bibel. Adam und Eva waren im Garten nackt. Als Eva in den Apfel der Erkenntnis biß, schämte sie sich vor Adam. Es gibt aber hier bei Herzog keinen Sündenfall für Kaspar, wie es für Adam und Eva gab. Kaspar bleibt im Film unschuldig. |
| Kaspar beim Baden |