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Ursachen und Folgen der Krönung des deutschen Kaisers im Schloss von Versailles 1871
I. EinleitungII. Hintergrund1. Deutscher Flickenteppich
III. 1871 - Krönung des deutschen Kaisers1. Sieger des Deutsch-Französischen Krieges
IV. Folgen der Krönung1. Die Gründung des Kaiserreiches auf den Sieg
über Frankreich
V. Schlussbemerkung: der Erste WeltkriegVI. Literaturverzeichnis
I. EinleitungManchmal können kleine Ereignisse, die man sonst gleich vergessen würde, große Folgen haben. Zum Beispiel ist es nicht sehr bedeutsam, Kartoffelsuppe zu kochen. Jeden Tag wird Suppe gekocht und gegessen; die Suppe selbst ist nichts Besonderes. Aber wenn ich mit Topf und Kartoffeln in der Küche auf meinem Stockwerk koche, wird diese selbe gewöhnliche Handlung ein Mittel, andere Studenten besser kennen zu lernen. Ich frage sie, ob sie ein bisschen Suppe möchten, sie sagen ja, und wir reden, um uns besser zu kennen. Wenn ich um Mitternacht alleine in der Küche wäre und Kartoffeln kochte, dann würde ich keine neuen Freunde kennen lernen. In der selben Weise wie meine Kartoffelsuppe ist der Ausruf des deutschen Kaiserreiches 1871 im Schloss von Versailles bedeutsam. Natürlich ist der Anfang eines Reiches wichtig, aber in diesem Fall ist dessen Ort besonders interessant. Wenn die Krönung des Kaisers in Berlin stattgefunden hätte, wäre dies nur ein bürokratisches Verfahren, weil Berlin als Ort einer deutschen Krönung normal ist. Aber der Ausruf des Kaiserreichs war nicht in Deutschland, sondern in Frankreich; deshalb hatte dieses Ereignis bestimmte Folgen, die größer wurden als die Tat selbst. II. HintergrundDa diese Reichsaufrufung als Ereignis nicht alleine steht, gibt es einen Kontext, bzw. einen geographischen, kulturellen und historischen Hintergrund. 1. Deutscher Flickenteppich Deutschland war vor dem Deutsch-Französischen Krieg ein "Flickenteppich" von kleinen Königreichen. Der Deutsche Bund war nur eine schwache Vereinigung von deutschen Königreichen, die sich alle als deutsch identifizierten, aber keinen gemeinsamen Staat hatten. Sie waren alle deutschsprachig und gehörten zweifellos zu Deutschland, aber Deutschland war kein einziges Land, sondern Hunderte. Diese kleinen Staaten waren verschiedenartig; manche, zum Beispiel Bayern, waren relativ groß, aber es gab auch kleinere Länder wie die Freie und Hansestadt Hamburg. Wegen der starken, bunten Aufteilung des Landes nennt man dieses Phänomen den "deutschen Flickenteppich." 2. Nationalismus In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gab es in Europa starke nationalistische Tendenzen. "Nationalismus" hat heute in Deutschland eine sehr pejorative Bedeutung, weil das Wort ähnlich wie "Nationalsozialismus" ist. "Nationalismus" hat zwei Bedeutungen; eine ist die antisemitische Denkweise der Nazis, um die diese Arbeit nicht geht. Die positivere Bedeutung erklärt Langenscheidts Großwörterbuch Deutsch als Fremdsprache als "das starke Bewusstsein, Teil einer Nation zu sein, besonders wenn damit das Ziel verbunden ist, einen eigenen Staat zu gründen." Dieses Bewusstsein existierte in Frankreich, in Italien und besonders in Deutschland. Mitte des 19. Jahrhunderts war der Wunsch des deutschen Volkes, ein Volk und eine Nation zu sein. In den 40er und 50er Jahren, als Frankreich seine nationalistische Revolution hatte, gab es auch eine deutsche Revolution. Sie war ein Versuch, alle deutschen Länder zu vereinigen, aber sie scheiterte, weil der König von Preußen nicht Deutschlands Kaiser werden wollte. 3. Otto von Bismarck (1815-1898) Otto von Bismarck war der Ministerpräsident des preußischen Königs Wilhelms IV. von 1862 bis 1871, dann deutscher Reichskanzler unter Kaiser Wilhelm I. nach der Vereinigung Deutschlands. Ihm wurden der Sieg im Deutsch-Französischen Krieg und die Vereinigung des Kaiserreiches zugeschrieben; man spricht nicht viel von Kaiser Wilhelm, sondern von seinem Reichskanzler Bismarck. Der Titel eines Kapitels in Diether Raffs Buch ist "Das deutsche Kaiserreich unter der Führung Bismarcks", nicht unter dem Kaiser. Der Kaiser war schon alt, als das deutsche Kaiserreich gegründet wurde, also hat Bismarck das Kaiserreich und den Kaiser geführt. III. 1871 - Krönung des deutschen KaisersVorher gab es den Deutschen Bund, nachher das Deutsche Kaiserreich. Dazwischen musste irgend etwas passieren, um diese Lage zu ändern. In diesem Fall war der Anlass der Änderungen der Deutsch-Französische Krieg. 1. Sieger des Deutsch-Französischen Krieges Am 19. Juli 1870 erklärte der Kaiser Frankreichs, Napoleon III., Deutschland den Krieg. Bismarck hatte Frankreich provoziert, weil er Krieg wollte. Bismarks Meinung nach gab es auch den Vorteil, dass Deutschland als beleidigt gesehen wurde; das hieß, Frankreich trug die Schuld. Der Kampf war sehr kurz; Deutschland mobilisierte seine Heere sehr schnell und siegte Frankreich. Der Frankfurter Vertrag wurde am 10. Mai 1871 unterschrieben, weniger als ein Jahr nach der Kriegserklärung. 2. Ausrufung des Kaiserreiches Das deutsche Kaiserreich wurde am 18. Januar im Spiegelsaal des Schlosses von Versailles ausgerufen. Die deutschen Heere hatten Versailles schon besiegt. Der Krieg war nicht beendet, aber Deutschland war der klare Sieger. Bismarck hatte diesen Tag und diesen Ort bewusst gewählt, weil beide sehr starke, symbolische Bedeutungen haben. An diesem Jahrestag, 170 Jahre vorher, wurde Friedrich I. von Preußen gekrönt. Durch die Wahl dieses Tages wollte Bismarck zeigen, dass Preußen sein Ziel endlich erreicht hatte. Der Ort war der schöne alte Spiegelsaal des Schlosses von Versailles, den der französische König Ludwig XIV. bestellt hatte. Wegen des historischen und kulturellen Wertes dieses Prachtschlosses war dieser Ort sehr wichtig für viele Franzosen. IV. Folgen der KrönungEin solches Ereignis, das nicht nur selbst wichtig ist, sondern in einer besonderen Zeit und an einem problematischen Ort stattfindet, muss bestimmt interessante Folgen haben. 1. Die Gründung des Kaiserreiches auf den Sieg über Frankreich Das Deutsche Kaiserreich wurde nach dem Sieg über Frankreich ausgerufen; das heißt, dieser militärische Sieg war die Grundlage des Kaiserreichs. In der Zeit war Preußens Militär besonders stark; deswegen konnte es sehr schnell mobilisieren und Frankreich kräftig angreifen. Das Militär war ein sehr wichtiger und respektierter Lebensberuf und die Soldaten waren sehr stolz darauf. Natürlich waren die Truppen vor der Gründung des Kaiserreichs sehr wichtig, weil sie den Krieg gewannen, aber nachher waren sie noch bedeutsamer, weil sie das Kaiserreich ermöglicht hatten. Ohne diesen Sieg wäre Deutschland wahrscheinlich nicht vereinigt worden. In der Kultur des deutschen Kaiserreichs war die Stärke des deutschen Militärs ein Grund, vielleicht der wichtigste Grund, für Bürgerstolz. Wegen der Verbindungen mit dem Anlass des Kaiserreichs, dem Sieg, war das Militär ein großer Teil der Nationalidentität der Deutschen. Deshalb war die verlangte Beschränkung des Heers nach dem Ersten Weltkrieg so schwer, weil Deutschland damit nicht nur seine militärische Macht, sondern auch seinen bürgerlichen Stolz verlor. 2. Höhepunkt der preußischen Geschichte Bismarcks Wahl des 18. Januar 1871 als Zeitpunkt für die Krönung des Kaisers ist wichtig, weil dieser Jahrestag symbolisch ist. Der preußische König Friedrich I. wurde am 18. Januar 1701 gekrönt; die bewusste Wahl dieses Jahrestages scheint zu sagen, dass Preußen jetzt sein Ziel erreichte. An diesem Jahrestag fing die Geschichte Preußens an und an diesem Tag hörte sie auf; statt Preußen gab es jetzt das Kaiserreich. Preußen und das Kaiserreich waren auf ihrem Höhepunkt; das heißt, sie waren an der Spitze der Macht und der Welt. Aber das heißt auch, dass es jetzt eine Talfahrt geben musste. Das Jahr 1871 war der große Sieg Deutschlands; nachher hatte das Reich wirtschaftliche und soziale Probleme, bei dem der Staat des Kaiserreichs wenig half. Der militärische Sieg stützte das Kaiserreich, aber nach Deutschlands großem Verlust im Ersten Weltkrieg brach der Staat schließlich zusammen. Deutschlands Triumph im Deutsch-Französischen Krieg und die Ausrufung des Kaiserreichs erzeugten einen Mythos, auf den das Kaiserreich gegründet wurde. 3. Provokation Frankreichs Durch die Ausrufung des Kaiserreichs im Schloss von Versailles eigneten sich die Deutschen einen wichtigen Teil der Geschichte und des kulturellen Erbes Frankreichs an. Das Prachtschloss war nicht mehr rein französisch; die Deutschen hatten es besessen und dort einen Kaiser gekrönt, als ob sie zu Hause gewesen wären. Vom Land Frankreichs nahm Deutschland als Kriegssieger nur Elsaß-Lothringen und einige andere Regionen, aber symbolisch übernahm Deutschland das Herz des Landes. So wird man nicht befreundet; die Feindseligkeit zwischen Deutschland und Frankreich wurde dadurch nur stärker. V. Schlussbemerkung: der Erste WeltkriegDie einfache Tat, das deutsche Kaiserreich auszurufen, hatte große Folgen. Man kann argumentieren, dass der Erste Weltkrieg anders passiert wäre, wenn Bismarck sich dafür entschieden hätte, den Kaiser in Berlin zu krönen. Es gab zu viele andere Ursachen, um sagen zu können, dass der Erste Weltkrieg ohne dieses Ereignis nicht begonnen hätte. Trotzdem war die Krönung im Schloss zu Versailles ein großer Einfluss auf die politische Einheit und den militärischen Stolz des Kaiserreiches, die beide schließlich zum Krieg führten. Da die Ausrufung des Kaiserreiches stattfand, wurde der "deutsche Flickenteppich" eine kräftige, politisch vereinigte Nation, die trotzdem von dem militärischen Sieg abhängig war.
VI. LiteraturverzeichnisLangenscheidts Großwörterbuch Deutsch als Fremdsprache. (1998). Hrsg. von Götz, Dieter [u.a.]. Berlin, München, Wien, Zürich, New York: Langenscheidt. Raff, Diether. (1988). A History of Germany from the Medieval Empire to the Present. Übersetzt von Little, Bruce. Oxford, Hamburg, New York: Berg. Ullrich, Volker. (1997). Die nervöse Großmacht: Aufstieg und Untergang des deutschen Kaiserreichs 1871. Frankfurt am Main: S. Fischer.
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Last modified on May 12, 2001. |