1989: Die Leipziger Demonstrationen



 
1989 löste sich die DDR langsam auf. Immer mehr Menschen und insbesondere jüngere Bürger wurden Flüchtlinge. Die Grenze war in Ungarn schon offen, und sie konnten daher die DDR verlassen. (Behrend 2) Die DDR-Regierung hatte immer weniger Autorität und Macht aber die Menschen hatten noch Angst vor der sowjetischen Regierung. Als die Montagsdemonstrationen im Oktober 1989 in Leipzig begannen, hatten die Bürger das Massaker am 3. Juni 1989 in Peking noch im Kopf. 

von Franz Behrendt

Nikolaikirche

Die Leipziger Montagsdemonstrationen fingen in der Kirche an, und insbesondere in der Nikolaikirche. Weniger als 10.000 Menschen kamen zur ersten Montagsdemonstrationen 25. September 1989, aber in der letzten Demonstration vier Wochen später gab es mehr als 100.000 Demonstranten. Die Demonstrationen in Leipzig waren die ersten dieser Größe, und der Anfang vieler Demonstrationen überall in der DDR. 1999 wurde Leipzig zum zehnten Jahrestag der Demonstrationen von der Bundesrepublik geehrt. Die Demonstranten, die an den Montagsdemonstrationen, wurden Helden genannt.
Das Buch von Hans-Jürgen Sievers "Stundenbuch einer Deutschen Revolution", beschreibt die Ereignisse, die während der Montagsdemonstrationen passierten. Sievers war Pfarrer in Leipzig und nahm an den Montagsdemonstrationen von Anfang an teil. Um mehr über die Demonstrationen zu erfahren ist das Buch von Sievers sehr zu empfehlen. 

Die Montagsdemonstrationen wuchsen aus den Friedensgebeten heraus, die schon 1982 anfingen. Sie waren als Anwort auf die weitere Stationierung von NATO-Raketen in Westeuropa und von Raketen in der DDR. Vor den grossen Oktober-Demonstrationen, hatten immer mehr Menschen begonnen, an den Friedensgebeten teilzunehmen. Wie erwähnt, die Lage in der DDR wurde immer Kritischer, da immer mehr Bürger die DDR verlassen. Obwohl immer mehr Menschen bei den Friedensgebeten in der Nikolaikirche begegneten, war es für die die Besucher der Friedensgebeten nicht sicher. Die Polizei fing an, jeden Montag zu erscheinen, um zu sichern, dass die Teilnehmer gleich nach Hause gingen. Die Kirchenleiter waren der Unsicherheit bewusst. ãZu den Friedensgebeten schienen jedesmal doppelt soviele Menschen zu kommen wie die Woche zuvor. In der Nikolaikirche wurde dringend geraten, weitere Konflikte zu vermeiden und nach dem Gottesdienst gleich nach Hause zu gehen" (Sievers 38) 

"Der Platz vor der Nikolaikirche am 11. September. Die Polizei hat die Menschen abgedrängt und in einer Nebenstraße eingekesselt. Zuerst wurden Einzelne gezielt aus der Menge herausgegriffen und - wie auf dem Bild zu erkennen - auf einen Polizeiwagen geschoben. Es war die Parole ausgegeben worden, dabei laut den Namen zu rufen, damit andere die Inhaftierung weitermelden könnten. Später wurden etwa 100 Personen vorübergehend festgenommen." (Sievers 85)

 
 
Die Demonstranten bekammen mehr Hoffnung, als die Sowjetunion "sich von der Breshnew-Doktrin losgesagt" hat. (Behrend 2) Die Sowjetunion würde die DDR nicht mehr mit allen Mitteln schützen. Es bedeutete für die deutschen Demonstranten, dass sie jetzt nur Angst vor ihrer eigenen Armee haben mussten - der Nationalen Volksarmee (NVA). 

von Franz Behrendt

Die erste Demonstration war am 25. September 1989. Die Demonstranten haben sich um 17.00 Uhr an den nächsten vier Montagen immer wieder vor der Nikolaikirche getroffen. Am dritten Montag gab es schon zwischen 70.000 und 100.000 Demonstraten. Es gab zu viele Menschen und sie konnten nicht alle in der Nikolaikirche untergebracht werden. So wurden alle Kirchen in der Staat geöffnet, und die Menschen wurden eingelassen. Sie haben sich nach der Arbeit getroffen, um zu zeigen, dass sie ãkeine Rowdies" waren. Sie sind von der Nikolaikirche auf den Karl-Marx-Platz geströmt, und dann sind sie mit vielen Plakaten um die Stadt im Kreis gelaufen. ãUnvergeßlich das rymthmische Rufen, das in die Geschichte einging: 'Wir sind das Volk' mit der Betonung auf dem ersten Wort, 'Wir sind keine Rowdies', 'Keine Gewalt' und immer wieder zu den noch Unentschlossenen und Ängstlichen am Rande der Straße: 'Schließt euch an!'" (p.82, Sievers

 

"'Revolution der Kerzen' wurde der Herbst 1989 häufig genannt. Als Zeichen eines stummen Prtoestes wurden Montag für Montag am Gebäude des Staatsicherheitsdienstes oder am Rathaus Kerzen aufgestellt." (p.86, Sievers) 

Der Leipziger Karl-Marx-Platz am 16. Oktober

Mehr Information ist auch bei dem Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland zu finden (http://www.hdg.de/).  Das Zeitgeschichtliche Forum Leipzig wurde 1999 geöffnet, um Leipzigs Geschichte zu ehren. 

E-mail Jeanine, Tara or Karen

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