Reiner Kunze


 

Reiner Kunze wurde am 16.8.1933 in Oelsnitz (Erzgebirge) als Bergmannssohn geboren. Er studierte 1951-55 Philosophie und Publizistik in Leipzig. Wiederholte Reisen in die Tschechoslowakei beeinflussten seine Werke. Hilfsarbeitertätigkeiten wechselten sich mit längeren Aufenthalten in der Tschechoslowakei ab. In dieser Zeit erschienen neben eigenen Gedichten Nachdichtungen und Übersetzungen aus dem Tschechischen.

Nach dem sogenannten Prager Frühling, der 1968 stattfand, trat Kunze, als Zeichen seiner Solidarität mit den tschechoslowakischen Reformern, aus der SED aus. "Die Liquidierung des Prager Frühlings unter Beteiligung der Nationalen Volksarmee führte bei vielen (besonders jungen) Künstlern zu Resignation. Andere protestierten. [...] Eine große Hoffnung für viele Menschen im Ostblock war mit dem Prager Frühling ausgelöscht worden" (Groth 88). Wegen Kunzes Solidarität mit den Reformern in der CSSR verbot die DDR darauffolgend seine Werke.

1969 wurde Kunzes Sensible Wege in der Bundesrepublik veröffentlicht. Diese Veröffentlichung führte während des VI. Schriftstellerkongresses, der vom 28. bis 30. Mai 1969 stattfand, zum Angriff gegen Kunze . Auf dem Schriftstellerkongress "kamen nur jene Autoren zu Wort, die sich bedingungslos der Parteilinie verschrieben hatten. Der Vizepräsident des Verbandes, Max Walter Schulz, ging in seinem Referat mit Reiner Kunze wegen dessen in der Bundesrepublik erschienenen Gedichtbandes Sensible Wege [...] scharf ins Gesicht" (Groth 88). Schulzens Vorwürfe gegen Kunze wurden folgendermaßen zusammengefasst: "Es ist alles in allem, trotz zwei Feigenblättern, der nackte, vergnatzte, bei aller Sensibilität aktionslüsterne Individualismus, der aus dieser Innenwelt herausschaut und schon mit dem Antikommunismus, mit der böswilligen Verzerrung des DDR-Bildes kollaboriert - auch wenn das Reiner Kunze, wie anzunehmen, nicht wahrhaben will" (Groth 88).

Im selben Jahr als Biermanns Ausbürgerung kam auch der Fall Kunze zur "Lösung." Die wunderbaren Jahre, Kunzes wohl bekanntestes Werk, erschien am 8. September 1976 bei Fischer in Frankfurt am Main. Das Büro für Urheberrechte in Ost-Berlin hatte die Veröffentlichung für die Bundesrepublik genehmigt. Kunze hat viele Gespräche mit verschiedenen Menschen geführt, und diese Gesprüche "lieferten die Fakten für die literarische Gestaltung von Miniaturen zum Thema Leben in der DDR" (Groth 107). Mit dem Werk bot Kunze eine ironische Schilderung der Widersprüche in der DDR.

Diese Erscheinung kostete Kunze jedoch zunächst seine Mitgliedschaft im Schriftstellerverband und machte ihn zum Staatsfeind.

1977 siedelte Kunze nach erheblichen politischen Anfeindungen seitens des DDR-Regimes in die BRD (Bundesrepublik Deutschland) über. Im Westen fuhr Kunze mit dem Schreiben fort. Unter dem Titel Deckname 'Lyrik' veröffentlichte Kunze 1990 Auszüge von seiner 3.491 seitigen Akte, die von der Stasi geführt wurde. Hier können Sie ein bißchen mehr über Kunze und diese Veröffentlichung lesen.

E-mail Jeanine, Tara, oder Karen