Zum Schluß


Nach allem bleibt noch die Frage, ob die DDR ein Land war, das zum Scheitern verurteilt war. Nach allen Untersuchungen sind wir zu dem unverweigerlichen Schluß gekommen, dass die DDR als Folge der hier diskutierten Umstände doch zum Scheitern verurteilt war.

Die Opposition der Jugend, Schriftsteller und Kirche hatte das Folgende gemeinsam: Alle fanden den Staat zu pedantisch, zu streng und zu kontrollierend. Es existierte in der DDR-Gesellschaft keinem Platz für offene Dialoge oder die freie Meinungsäußerung. Alle, die den Staat kritisierten, wurden in irgendeiner Weise bestraft. Diese Realität erkennen wir aus den Erfahrungen der Jugend, Schriftsteller und Kirchenmitglieder. Die, die neue oder andere Wege in der Politik und Gesellschaft förderten, wurden mit Argwohn und Mißtrauen betrachtet, während diejenige, die nicht gegen die Konventionen verstoßen, für ihre Anpassung belohnt wurden.

Das Vorgehen des SED-Staates, der keine Kritik von dem Volk vertrug, führte uns zu dem Schluß, dass das Scheitern des Landes unvermeidlich war. Trotz alle guten Prinzipien gelang es dem Staat nicht, diese Prinzipien in die Praxis zu setzen. Anders gesagt war der Staat unfähig, die sozialistische Ideologien zu verwirklichen. Es muss betont werden, dass die meisten Jugendlichen, Schriftsteller und Kirchenmitglieder nicht gegen die Regierung waren. Sie wollten den Staat nicht abschaffen, sondern nur Veränderungen in der Politik und Gesellschaft durchsetzen, ihre Meinungen ausdrücken ohne dafür bestraft zu werden, und ihre eigene Prinzipien nützen, um den Staat und die Gesellschaft zu verbessern. Diese Situation wurde von einem Jugendpastor folgendermassen ausgedrückt:

'Was wir uns momentan an Veränderung wünschen...ist eigentlich gar nicht so viel: mehr Lockerheit, mehr Menschlichkeit im Umgang miteinander, ein freundlicherer Ton...vielleicht das Augenzwinkern, mit dem staatliche Gesprächepartner auch reagieren könnten, anstatt bei jeder Kleinigkeit gleich Sicherheitsapparat und Justiz voll auffahren zu lassen' (Büscher und Wensierski 176).

Der große Fehler, den der Staat begangen, war, dass er keine Freiräume für Innovation und Kreativität erlaubte. Das selbstständige Experimentieren kam nicht in Frage. Die Regierung ließ nicht zu, dass die Bevölkerung ihre Begabungen und Energie frei nützten, sondern benutzte diese Energie und Talente ausschließlich zum Dienst des Staates.

Es ist zu vermuten, wenn der Staat die Jugendlichen, Schriftsteller und Kirche frei sprechen und frei denken gelassen hätte, wäre es nicht nötig für die Jugend gewesen, sich Ersatzwirkichkeiten zu schaffen, und die Schriftsteller und Kirchenmitglieder wären nicht in den Westen geflohen.

E-mail Jeanine, Tara, oder Karen