Anmerkungen zur Kaspar-Hauser-Rezeption:

Ein bibliographischer Bericht (1840-1998)

von Ulrich Struve

 

 

Einleitung

Der Findling Kaspar Hauser, das "Kind von Europa", ist praktisch von Anfang an auch ein Produkt der Medien. Als der junge Mann 1828 in Nürnberg auftaucht, nehmen sich die Gazetten und Journale seiner mit dem größten nur denkbaren Eifer an. Ein "Wildes Kind" im bürgerlichen Nürnberg! Solch eine Auflagen steigernde Sensation will man sich nicht entgehen lassen, und allenthalben häufen sich binnen kürzester Zeit die oft direkt voneinander abgekupferten Berichte. Das belegt schon die Bibliographie von Hans Peitler und Hans Ley aus dem Jahre 1927, die für die ersten hundert Jahre der Kaspar-Hauser-Rezeption Über tausend bibliographische Nachweise versammelt.

Angesichts dieser mediengesättigten Tradition des Hauser-Falles ist es in gewisser Hinsicht angemessen, wenn in den Presseberichten unserer Tage immer wieder mit dem Hinweis auf bibliographische Daten operiert wird. Sie sollen die überwältigende Rezeption Kaspar Hausers widerspiegeln und die anhaltende Faszination der Findlings-, Prinzen- und Mordgeschichte greifbar machen. Die Angaben schwanken dabei zwischen moderaten 200 Büchern und 4000 Artikeln bis zu 2000 Büchern und 15000 Artikeln. Mitunter liest man gar von 40000 Titeln, die sich mit Kaspar Hauser befaßt haben sollen. Alle diese Zahlen sind aber, und das muß in aller Deutlichkeit gesagt werden, mehr oder weniger wilde Schätzungen. Realiter weiß heute niemand genau zu sagen, wieviele Titel es wirklich zu Kaspar Hauser gibt.

Eine umfassende Aktualisierung und Überprüfung der Bibliographie von Peitler/Ley ist ein Desiderat der Forschung, das auch die hier vorgelegten Anmerkungen zur Kaspar-Hauser-Rezeption nicht beheben können. Was allerdings mit dem hier vorgelegten bibliographischen Bericht geleistet wird, ist eine wesentliche Ergänzung, Aktualisierung und teilweise Korrektur vorausgegangener veröffentlichter Bibliographien (Peitler/Ley, Weckmann, Struve; siehe unten, Nrr. ****); deren Benutzung ist für die wissenschaftliche Beschäftigung mit der Rezeption Kaspar Hausers unumgäglich und wird vorausgesetzt.

Bis auf wenige Ausnahmen verzeichnet der hier vorgelegte Bericht nur solche Nachweise, die in den drei genannten Bibliographien noch nicht enthalten sind; auch unbekannte Ausgaben bereits bekannter Werke (bei anderen Verlagen, mit anderen Herausgebern etc.) werden erfaßt. Die überwiegende Mehrzahl der hier versammelten ****** Nummern mit insgesamt ca. **** Einzeltiteln wird damit zum ersten Mal bibliographisch dokumentiert. Die vorliegenden Ergebnisse basieren auf der Sammeltätigkeit und archivalischen Arbeit des Verfassers im Verlauf gut eines Jahrzehnts und sollen mit diesem Bericht der Forschung und der interessierten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Zur Konzeption der Bibliographie

Der vorliegende Bericht ist als eine systematische, überwiegend kommentierte Bibliographie konzipiert, aber nicht als eine Bibliographie zur Kaspar-Hauser-Literatur im engeren Sinne, sondern als eine Bibliographie zur Kaspar-Hauser-Rezeption. Das hat Konsequenzen sowohl für die Auswahl der mit einbezogenen Materialien als auch für den Aufbau der Bibliographie.

Einen bibliographischen Bericht zur Kaspar-Hauser-Rezeption zu verfassen, bedeutet zum einen, gezielt der über jegliche Genre-, Fach- oder auch Niveaugrenzen hinausgehenden Attraktivität des Themas Rechnung zu tragen. Beiträge aus den verschiedensten Fachwissenschaften finden sich hier ebenso selbstverständlich wie Karikaturen aus der Zeitung, Reiseberichte neben metaphysischen Spekulationen, Lieder neben öffentlichen Plastiken, die Kaspar-Hauser-Praline neben politischer Polemik aus dem 19. Jahrhundert.

Zum anderen bedeutet es, daß der Bericht auch Ereignisse, Veranstaltungen, Aufführungen und Ausstellungen dokumentiert, aus denen selber keine Veröffentlichungen hervorgegangen sind, Ereignisse, die gewissermaßen ephemeren Charakter tragen. Oft sind solche Veranstaltungen durch archivalische Objekte wie Programmhefte oder Plakate faßbar, durch unveröffentlichte Manuskripte oder indirekt durch Zeitungsberichte, manchmal sogar nur durch die briefliche Mitteilung eines glaubwürdigen Zeugen, wie etwa im Fall der Fresiensorte "Caspar Hauser".

Diese Konzeption—die Rezeption Kaspar Hausers in jeglicher Form dokumentieren zu wollen—wirkt sich auch auf die Struktur der Bibliographie aus. Anders als in den meisten traditionellen Bibliographien, wo etwa ein Zeitungsbericht als primäres Objekt bibliographischen Interesses unter dem Namen des jeweiligen Autors in die alphabetische Liste eingegliedert werden würde, interessiert im vorliegenden bibliographischen Bericht primär das Ereignis, die Veranstaltung, die Ausstellung selber, der dann die entsprechenden dokumentarischen Materialien (Plakate, Programme, Zeitungsberichte usw.) zu- und untergeordnet werden. So wird zum Beispiel Birgit Scherzers Kaspar-Hauser-Ballett unter dem Namen der Choreographin geführt, während die diversen Zeitungs- und Zeitschriftenartikel, die die Aufführungen des Balletts dokumentieren, in diese bibliographische Nummer eingegliedert sind. Nur wenn Artikel oder Aufsätze auf einen größeren Rahmen abzielen, der über die einzelne Veranstaltung hinausgeht, erhalten sie eine separate Nummer in der Bibliographie sowie entsprechende Querverweise; daß es hierbei Grenzfälle gibt, die nicht immer eindeutig zuzuordnen sind, dürfte sich von selbst verstehen.

An dieser Stelle sollte auch erwähnt werden, daß der vorliegende Bericht im Bereich der Publizistik bewußt auf bibliographische Vollständigkeit verzichtet. Geht man davon aus, //daß bereits 1984 in Deutschland 1267 "redaktionelle Ausgaben" von Tages- und Wochenzeitungen gab (aktuelle Zahlen *** ??? //, von denen, um nur zwei konkrete Beispiele zu geben, die Mehrzahl über Peter Sehrs Kaspar-Hauser-Film und die vom Spiegel initiierte DNS-Analyse berichtet haben dürften, anläßlich der anschließenden Kontroverse oft mehrfach, so wird man bei vorsichtiger Hochrechnung von ca. ********** potentiellen Nachweisen ausgehen müssen. Diese alle erfassen zu wollen, überstiege nicht nur die Kapazitäten eines einzelnen Forschers, es wäre vermutlich nicht einmal sonderlich sinnvoll, da zu viele letztlich unergiebige Wiederholungen zu Tage treten würden. Ähnliches gilt für Rezensionen, die hier ebenfalls in Auswahl gegeben werden und dem jeweiligen Titel zugeordnet sind; eine vollständige Erfassung der Rezensionen ist lediglich für Forschungsbeiträge im Bereich der Literaturwissenschaft angestrebt worden.

Andererseits mußte bei literaturwissenschaftlichen Arbeiten im Einzelfall abgewogen werden, ob die Einbeziehung eines Forschungsbeitrags im Rahmen unseres Themas sinnvoll ist. Es kann hier nicht darum gehen, jede Diskussion von Handkes Kaspar zu erfassen; das wäre Aufgabe einer Handke-Bibliographie. Wenn die wissenschaftliche Beschäftigung mit Handkes Drama auf den Kontext oder die Strukturen der Kaspar-Hauser-Mythe abhebt, dann gehört sie fraglos zu unserem Aufgabenbereich. Zweifelsfälle dürfte es in diesem Zusammenhang besonders bei Trakl, Wassermann, Handke und Herzog geben.

In den letzten Jahren ist das Internet, und besonders das World Wide Web (WWW), exponentiell angewachsen. Daher ist es nicht weiter verwunderlich, daß man auch dort Quellen und Informationen finden kann, die für eine Bibliographie der Kaspar-Hauser-Rezeption relevant sind. Die entsprechenden Internetseiten reichen von der "Kaspar Hauser Homepage", die eine kleine Sammlung von Links bietet, über Theater- und Buchbesprechungen in den Online-Versionen etablierter Printmedien bis zu ausschließlich im Internet veröffentlichten literarischen Texten oder philosophischen Essays. Es liegt in der Natur des Internets, dessen veröffentlichter Inhalt zum Großteil auf Privatinitative beruht, daß es einer rasanten permanenten Weiterentwicklung unterliegt: Seiten, die heute noch verfügbar sind, können morgen schon verschwunden sein. Um den Zugang zu den in dieser Bibliographie verzeichneten Internetseiten langfristig zu gewährleisten, wurden Ausdrucke derselben im Stadtarchiv Ansbach deponiert.

Aufbau der Bibliographie und der Nummern

Als systematische Bibliographie listet der vorliegende Bericht die Nachweise zur Kaspar-Hauser-Rezeption nach Sachgruppen gegliedert. Wo unvermeidliche Überschneidungen gegeben oder mehrfache Zuordnungen möglich sind, helfen Querverweise; die Namens- und Sachregister am Ende erschließen die aufgenommenen Titel über die Querverweise hinaus. Beiträge werden innerhalb der jeweiligen Sachgebiete alphabetisch unter den Hauptautoren geführt, Co-Autorinnen und Autoren sind über das Namensregister auffindbar. Unveränderte oder nur minimal veränderte Neudrucke—die Taschenbuchausgabe eines Buches, der Nachdruck eines Aufsatzes an anderer Stelle—werden in derselben bibliographischen Nummer unter dem ersten erfaßten Eintrag mit entsprechendem Hinweis aufgelistet. Nur wenn substantielle Revisionen, Erweiterungen oder Kürzungen dies angemessen erscheinen lassen, erhalten sie eine separate Nummer. Übersetzungen und neue Ausgaben klassischer Texte, etwa von Feuerbach, werden stets separat geführt.

Berichtend ist die vorliegende Bibliographie, insofern jenen Beiträgen, deren Inhalt sich nicht durch deskriptive Titelgebung erschließt, Kommentare und, wo es angezeigt ist, beschreibende Erläuterungen teilweise mit kurzen Zitaten beigegeben werden. Dies ist besonders dann der Fall, wenn es sich um unveröffentlichte oder ausgesprochen seltene Materialien handelt, bei denen davon auszugehen ist, daß sie auch unter Sammlern und Hauserianern unbekannt sein dürften. Auch visuelle Beiträge zur Kaspar-Hauser-Rezeption (Plastiken, Karikaturen, Gemälde) oder Realien werden mittels einer entsprechenden Beschreibung vorgestellt.

Die Bibliographie enthält folgende Sachgruppen:

Die einzelnen Nummern der Bibliographie haben folgenden, je nach Bedarf mehr oder weniger umfangreichen Aufbau:

-- fehlende Seitenzahlen bei Zeitungsartikeln deuten darauf hin, daß der betreffende Titel in einem der Archive vorliegt, schwerpunktmäßig im Ansbacher Stadtarchiv. Eine separate Überprüfung der in Zeitungsausschnittsammlungen gefundenen Titel war aus Zeitgründen nur in Ausnahmefällen möglich.

***** usw. usf. noch weiter ausführen *****

In der Bibliographie werden für Zeitungs- und Zeitschriftentitel folgende Abkürzungen verwendet:

***** usw. usf. noch weiter ausführen *****

 

Danksagung

Dank für Hinweise gebührt neben manchen der erfaßten Autorinnen und Autoren, die meine Anfragen mit großem Entgegenkommen beantwortet haben, Herrn Professor Theo Buck, Frau Janet Brooks Gerloff, Herrn Professor Walter Schönau, Herrn Dr. Berthold Weckmann, Herrn Michael Klußmann, Herrn Bojtes von der Bibliothek am Goetheanum und ganz besonders meinem treuen Berliner Korrespondenten in Sachen Kaspar Hauser, Herrn Reiner Leuthold. Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Firestone Library, Princeton University, haben diese Arbeit mit nie versiegender Hilfsbereitschaft unterstützt, insbesondere Ms. Mary George, Ms. Patricia Ponzoli und Dr. Jochen Twele. Herrn Werner Bürger gebührt Dank für produktive und angenehme Forschungsaufenthalte im Stadtarchiv Ansbach.

Eine Bitte an die Leser

 

 

 

Archive und Sammlungen

 

Das Archiv von Hermann Pies ist in den frühen 80er Jahren auf Johannes Mayer (Urachverlag, Stuttgart) übergegangen.

 

Bibliographische Resourcen

 

Historische und sonstige fachwissenschaftliche Veröffentlichungen, Berichte und Essays
(inkl. hist. Quellen, medizinischer, pädagogischer, philosophischer, pseudo-wissenschaftlischer, esoterischer Schriften, Reiseberichte etc.)

 

Forschungsbeiträge und Essayistik zur literarischen Kaspar-Hauser-Rezeption:

 

Literarisch-künstlerische

Kaspar-Hauser-Rezeption

 

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