Hans Arp (1887-1966)
 
kaspar ist tot (1948)
 
weh unser guter kaspar ist tot
 
wer trägt nun die brennende fahne im wolkenzopf verborgen täglich zum
schwarzen schnippchen schlagen
 
wer dreht die kaffeemühle im urfass
 
wer lockt nun das idyllische reh aus der versteinerten tüte
 
wer verwirrt nun auf dem meere die schiffe mit der anrede parapluie und die
winde mit dem zuruf bienenvater ozonspindel euer hochwohlgeboren
 
weh weh weh unser guter kaspar ist tot. heiliger bimbam kaspar ist tot.
 
die heufische klappern herzzerreissend vor leid in den glockenscheunen wenn
man seinen vornamen ausspricht, darum seufze ich weiter seinen familien-
namen kaspar kaspar kaspar.
 
warum hast du uns verlassen. in welche gestalt ist nun deine schöne grosse
seele gewandert. bist du ein stern geworden oder eine kette aus wasser an
einem heissen wirbelwind oder ein euter aus schwarzem licht oder ein
durchsichtiger ziegel an der strömenden trommel des felsigen wesens.
 
jetzt vertrocknen unsere scheitel und sohlen und die feen liegen halbverkohlt
auf dem scheiterhaufen.
 
jetzt donnert hinter der sonne die schwarze kegelbahn und keiner zieht mehr
die kompasse und die räder der schiebkarren auf.
 
wer isst nun mit der phosphoriszierenden ratte am einsamen barfüssigen
tisch.
 
wer verjagt nun den sirokkoko teufel wenn er die pferde verführen will.
 
wer erklärt uns nun die monogramme in den sternen.
 
seine büste wird die kamine aller wahrhaft edlen menschen zieren doch das
ist kein trost und schnupftabak für einen totenkopf.